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Cloud: You get what you pay for

29.07.2010 19:24

Ich benutze ja, wie nahezu jeder Leser weiß, Google Apps an jeder Ecke. Dafür hab ich zwei Accounts. Einmal meinen privaten Google Apps Standard und für meine Firma die Premier Edition.

Nun ist es allerdings heute so, dass bei der kostenlosen Standard-Edition schon den ganzen Tag (bei mir seit heute morgen um 9 Uhr, vorher war ich nicht wach) kein Google Talk mehr funktioniert. Angeblich arbeitet Google an diesem Problem. Auch Wave scheint nicht so richtig stabil zu sein bei den Standard-Editions.

Spannender finde ich aber auch hier wieder: You get what you pay for. Wenn du es kostenlos haben willst, musst du damit leben, dass es eben nicht immer alles so reibungslos funktioniert. Die Premier-Edition-Cloud scheint mir deutlich stabiler zu laufen. Dafür muss man dann eben auch mal 40 € im Jahr in die Hand nehmen, um mehr Features und Stabilität zu erhalten.

Update: Kaum hatte ich diesen Beitrag gepostet funktionierte Google Talk wieder. Leider ist Wave bei mir immer noch tot.

Twitter - die Scheinheiligkeit des Internets

25.07.2010 09:56

Es ist Samstag Abend, kurz nachdem in Duisburg mehrere Menschen gestorben (derzeitiger Stand: 19) und Hunderte verletzt wurden. Ja, es ist scheiße, was da passiert ist. Mir tut es Leid um die Menschen und die Angehörigen der Verstorbenen. Es wurden Fehler gemacht seitens der Veranstalter, aber auch der Menschen selbst. Soweit dazu mein Standpunkt.

Was aber auf Twitter abging spottet jeder Beschreibung. Sofort wurden diverse Hetzjagden ausgelöst, als ginge es um das Ende der Welt. Auf einmal tun wieder alle so, als wären sie persönlich dafür verantwortlich, dass es den Verantwortlichen an den Kragen geht. Gemischt wurde dies mit Twitterern die auch noch 2 Stunden später meinten, dass die Welt ausschließlich auf ihre News warten und mussten dringend berichten, dass in Duisburg was passiert sei. Im Internet sind 2 Stunden eine lange Zeit. Das wäre, als würde die Zeitung von nebenan heute berichten, dass die USA in Afghanistan einmarschiert wäre.

Am Schlimmsten wurde es, als die Bild.de-Hetzkampagne los getreten wurde. Dort wurden auf einigen Bildern größtenteils abgedeckte tote Menschen gezeigt. Es wurden direkt ein paar Beschwerden beim Presserat mit Hinweis auf den Pressekodex eingereicht. Fazit: Scheinheiligkeit in Perfektion. Die (deutschen) Twitterer sind doch sensationsgeil wie niemand aus anderen Medien. Wenn aber ein Medium mal die ganze Wahrheit zeigt (und ja, dazu gehören auch tote Menschen), dann wird rumgeschrien. Mal abgesehen davon, dass der Pressekodex zu einer Zeit (die 70er) entstand, als den Deutschen die heile Welt vorgegaukelt wurde, sind es doch keine Gesetze, sondern freiwillige Regeln. Und wenn die Bild.de-Redaktion, über die man sowieso immer streiten kann, diese Regeln nicht beachten will, dann ist das eben so. Es zwingt euch niemand, diese Webseite aufzurufen. Genauso wie bei rotten dot com. Am Ende hatte bild.de durch diese Meldung noch mehr Besucher und das ist dann eher der oft verhasste Katastrophentourismus. Aber eben im Web.

Wenn wir mal an Zeiten zurückdenken, als die Menschen noch überwiegend mit Kutschen gefahren sind (vor 1900): Da standen Kinder noch daneben, wenn die Großeltern im Heimathaus starben. Da waren die Deutschen noch nicht so weichgespült wie heute, wo jeder Tote gleich Schrecken auslöst. Und nochmal: jeder Tote ist erstmal tragisch für die Angehörigen. Aber das Leben geht weiter, Leute. Menschen können mit so etwas umgehen! Die Bauern haben früher keine Trauerwochen eingelegt, wie heute. Das Feld und Vieh musste trotzdem weiterhin bewirtschaftet werden. Das wird auch heute noch so in großen Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas so gehandhabt.

Warum das alles scheinheilig ist? Der Twitterer @maennig hat es auf den Punkt gebracht: "Liebe Betroffenheitsspezialisten, wir haben täglich 11 Tote durch Verkehrsunfälle, 26 durch Suizid, 191 durch Alkohol und 329 durch Rauchen." Ich ergänze noch: "Es sterben täglich ca. 400 Kinder weltweit an Masern."
Wisst ihr: Es gibt einfach viel wichtigere Probleme auf der Welt die täglich diskutiert und u.U. gelöst werden könnten. Aber die Sensationsgeilheit benebelt die Sicht der Dinge so sehr, dass man wieder ein riesiges Drama draus macht.

Ach ja und dann kommt da noch der Kindergarten hinzu: "Mimimimimi, der hat gesagt, dass ich hier nur rumjammer. Bitte entfolgt ihn alle. Der hat mir mein Spielzeug geklaut!" (Anmerkung: Überzogen, aber der Tenor). Merkt endlich: man folgt jemandem auf Twitter wegen der Kommunikation und weil einen interessiert, was derjenige schreibt. Nicht, weil die Meinungen grundsätzlich übereinstimmen müssen (womit wir wieder bei den Weichspülern wären).

PS. Ich habe die Kommentare in diesem Beitrag deaktiviert, weil ich erstens die lauthals schreienden Bashing-Kommentare vermeiden will und zweitens sollten die Leser lieber ihre eigenen Gedanken dazu bloggen, wenn es denn nötig ist. Bashing-Kommentare auf Twitter werde ich im Übrigen ignorieren.

Nachtrag: Die @talinee hat auch mal was dazu geschrieben: Manche Trägodien bringen Helden hervor, andere dagegen Monster

Apple-Ortung: Willkommen in der Realität

20.07.2010 19:24

Da hamwer den Salat: Auch Apple hat WLANs kartographiert. Allerdings haben sie dafür die Benutzerendgeräte (iPhone, Macbook) missbraucht, indem sie seit 2 Jahren einfach heimlich die GPS-Position und WLAN-Feldstärken gemessen und verschickt haben. Diese Daten wurden dann anonymisiert gespeichert und ausgewertet. Technisch gesehen, ein gutes Konzept. Man braucht keine Autos, die rumfahren und messen und man kann auch in Fußgängerzonen aufzeichnen.

Dumm nur: In der Medienbranche werden Apple-Produkte sehr häufig eingesetzt. Als Google diese Daten aufgezeichnet hat, gab es ganze Titelblätter zu diesem Thema. Jetzt aber wird die eigene heile Welt angegriffen und da man drüber berichten muss, wird es jetzt eben weiter unten positioniert. Die typische "Ist halt passiert" Haltung. Und dieses Verhalten kotzt mich an.

Auf Twitter wird halt ab und zu mal ein Link dazu gepostet, aber keine Diskussion geführt. Auf "Spiegel Online" muss man 1-2 Bildschirmseiten runterscrollen. Dieses Weggucken nervt mich sehr an. Wurde bei Google groß diskutiert, weil sie Daten mehr oder weniger aus Versehen aufgezeichnet haben, die sie nicht brauchten, wurde dies bei Apple mit voller Absicht getan und der User dafür missbraucht, ohne dass der davon wusste.

Schlimm ist ja schon, dass dies mit Mobilfunkgeräten getan wurde, ist dies auch bei Macbooks gemacht worden, die die Ortserkennung eingeschaltet haben (ist das eigentlich default?). Wenn wir dies mal weiterspinnen: Wenn schon solche Daten mal eben kurz zu Apple geschickt werden (dank Closed-Source-Software), was wird dann noch mal nebenbei geschickt? Die zuletzt bearbeiteten Geschäftsdokumente, die klein genug sind, als dass sie im Sekundenbereich verschickt sind und zwischen den anderen Daten nicht auffallen? Mir scheint ja, dass es unter Mac-Usern einfach nicht genügend Leute gibt, die den Datenverkehr aufzeichnen, sonst wären selbst die Standort-Datenübermittlungen aufgefallen. Also warum nicht dieses Horrorszenario?

Wollen Mac-User (nehme da Windows-User nicht aus) lieber die Augen verschließen, weil man das bisher auch getan hat? Oder wollt ihr lieber, dass Pullover-in-Hose-Steve dann doch mal lückenlos aufdeckt, welche Daten so an Apple geschickt wurden? Denn das ist, wie man sieht, nicht immer in den Nutzungsbedingungen erwähnt. Ich würde mir für euch wünschen, dass ich mit meinen Vermutungen unrecht habe, aber ich könnt das Gegenteil glücklicherweise noch nicht beweisen ;-)

Was mich aber am Meisten freut: Endlich merken Apple-User, dass Google nicht die Datenkrake ist, sondern dass alle Firmen, die ihren Usern personalisierte Dinge jeglicher Art anbieten wollen, Daten sammeln müssen. Denn User in Deutschland wollen keine Werbung für rumänische Waschmittel sehen, sondern auf ihre Region und Wünsche angepasste Werbung (angeblich einer der Gründe für die Sammelwut von Apple und Google), wenn Software schon werbefinanziert sein muss. Solche Daten brauchen alle Firmen und das wird in den nächsten Jahren immer krasser werden. Da können Datenschutzbestimmungen noch so kleinlich definiert sein. Ich schätze, diese werden aufgeweicht werden müssen, wenn die Lobbyisten ihre Arbeit gut machen. Die deutschen Datenschutzgesetze sind nämlich in meinen Augen nicht auf das Internet anwendbar und bedürfen endlich einer realitätsnahen Reform.

Aber ach!