Pixel ist das neue Nexus. Pixel - das ist für mich weiterhin das Device, mit dem ich diesen Blogbeitrag schreibe - nämlich ein Chromebook. Und was kann dieses Pixel? Angeblich toll fotografieren. Sind wir doch mal ganz ehrlich: Muahaha. Bei Schummerlicht sind auch die Bilder verrauscht. Ein bisschen versucht die Software zu tricksen, aber wie genau will man denn bei der Linse und der Größe des Sensors wirklich was reissen?

Videos soll es auch ganz toll können - vor allem wenn man sich währenddessen bewegt. Die Wackler sollen rausgefiltert werden. Und was wird geliefert? Nicht etwas eine hardwareseitige Variante, sondern über den empfindlichen Gyrosensor wird softwareseitig das Geruckel entfernt. Stirnrunzeln. Also nicht, dass ich das jetzt so schlecht machen will, nein, aber wenn man Innovationen machen will, könnte man, wenn man schon mal dabei ist, einfach gleich etwas einbauen, was nachhaltiger ist. Bildstabilisation über Software ist so fehleranfällig.

Dann ist da der eben genannte empfindliche Gyrosensor, der scheinbar das essentielle Grundbedürfnis für eine Daydream-Ready-Zertifizierung ist. Ich finde ja auch, dass VR eine Zukunft hat und ich träume davon, irgendwann keine Monitore mehr zu besitzen, sondern nur noch auf 2 kleine Monitore in einer VR-Brille zu starren, über die ich dann ganz viele virtuelle Monitore durch Kopfbewegung benutzen kann. Und wenn ich dann programmieren kann in einem virtuellen Büro. Das stell ich mir echt gut vor, aber ich glaube nicht, dass die Zukunft darin liegt, dass man ein Smartphone in eine mit Plastik ausstaffierte Gürteltasche packt, damit man sie sich vor die Augen klemmt. Dafür sind die Akkulaufzeiten einfach nicht geeignet. Und der Sound (ohne separate Kopfhörer).

Zurück zum Handy: 759 Euro für die kleinste Ausführung des Geräts. Kannste schon so machen und wenn du nach 3 Monaten die Preise nicht um mind. 40% senkst, bleibste auf den Geräten eben halt auch sitzen. Bei der Vorstellungsveranstaltung in Berlin war niemand, der sofort aufgeschrien hat, dass er kurz das Handy schon mal vorbestellen möchte. Noch lustiger wird’s dann bei der Pixel-XL-Version mit 128 GB Speicher für 1009 Euro. Auch wenn der Trend immer mehr weg vom Laptop/PC hin zur Erledigung der Arbeit auf dem Smartphone geht - aber mehr für ein Smartphone auszugeben als für einen gut ausgestatteten Laptop? Ähm, nö!

Und dann waren da noch die Pixel-Only-Features. Man hört ja immer wieder, dass den Menschen die Fragmentierung der Android-Welt auf die Eier geht. Da hatte man dann bei Google eine tolle Idee: Man baut Features, die es erstmal nur exklusiv für die Pixel-Devices existieren. Man kann jetzt auf dem Home-Screen auf einem Symbol länger gedrückt halten und bekommt z.B. bei Maps dann häufige Ziele, wie Home oder Work angeboten und kann direkt da hin navigieren. Zwei Dinge dazu: Leute, die mit Navi zur Arbeit oder von dort nach Hause müssen, haben ganz andere geistige Umnachtungsprobleme und zweitens ist dieser Force-Touch-Nachbau rein über Software abgebildet, also keine spezielle Abstimmung mit der Hardware. Will also heissen, dass dieses Feature zwar nachgebaut werden kann, aber da wird eine hausinterne Fragmentierung hinzugefügt, die niemand braucht und auch niemand haben will. Die Statisten auf dem Presentation-Event, die von Google scheinbar nicht für Entwickler-Fragen gebrieft wurden, waren auch der Meinung, dass in Android 7.1 dann exklusive Features für die Pixel-Reihe eingebaut werden, die wohl auch nicht für Nexus-Devices kommen werden. Ganz großes Kino!

Weiter zu den anderen Produkten, die Google da heute vorgestellt hat: Google Home. Kann man jetzt schon, hat man auf der I/O schon gezeigt. Vor allem mit weniger offensichtlich gestellten Fragen, sondern mit einer schönen Integration in den Tagesablauf (bis auf das Kind, was sich nach dem Aufstehen erstmal nach dem Andromeda-Nebel erkundigt - das war wirklich realitätsfern). Ja, Google Home ist ein Produkt, was ich mir dringend bestellen möchte. Ach, geht ja gar nicht. Wir reden hier schließlich von einem US-Unternehmen und wie wir alle wissen, gibt es ausserhalb der USA nur noch Nicht-USA und selbst diese Tatsache wird nur ungern geduldet. Also wird Google Home natürlich nur in den USA verkauft. Andere Märkte anzutesten käme den bunten Buchstaben gar nicht in die Tüte - es könnte ja sein, dass so ein Produkt woanders ja gut ankäme und man nicht nach einem Startflop die Produkte dann direkt wieder einstellen müsste.

Google Wifi - geiles Zeug. Ein Access-Point, der sich mit anderen APs abstimmt und die Konfiguration überwiegend automatisch läuft. Kauf ich. Ach! Kann ich ja zusammen mit Google Home dann in einem Paket bestellen. Dieses Paket ist unsichtbar und wird nie versandt.

Was genau ist kaputt mit Google? Wo ist das Problem, ein Produkt auch mal in mehr als nur einem Land zu launchen? Ist der Horizont der Produktmanager wirklich so beschränkt? Der Google Assistent z.B. ist so ein Fall. Wir dürfen uns in Deutschland freuen, dass wir mit dem Pixel-Launch auch den Assi bekommen, derzeit zickt er in Allo ja doch noch sehr rum. Ich verstehe auch, dass Deutsch keine leichte Sprache ist. Und dann ist da noch die Integration in Google Apps (neuerdings ja »G Suite« genannt *kotz*). Ich nutze immer und überall eine Domain, also benutze ich auch Google Apps Accounts für alles. Geht aber mit dem Assistenten nicht. Dieser kann z.B. nicht auf den Kalender zugreifen. Jetzt würden Entwickler kommen und sagen: »Das ist eine andere Infrastruktur, das ist nicht so einfach, wie du denkst«. Das mag alles sein, aber das ist dem User doch scheiss egal, wenn wir ehrlich sind. Alle meckern immer, dass Google angeblich so viele Daten sammle, die sie ja, wenn sie zusammengeführt würden, total katastrophal unendlich viel Schaden anrichten können. Dabei schafft es Google aber nicht einmal, zwischen ihren einzelnen Diensten einzelne Informationen zu tauschen, selbst wenn der User darauf bestünde. Ausgerechnet der Assistent ist für geschäftliche Nutzer so viel Wert. Ein Businesskasper, der im Auto sein Handy fragen könnte, welchen Termin er als nächstes hat und wie man da hin kommt - wirklich einfachste Tätigkeiten - UNMÖGLICH. Das ist alles nicht durchdacht. Da arbeiten unterschiedliche Teams wieder nicht sinnvoll zusammen und dann kommt da so undurchsichtiger Mist bei rum.

Das kann es doch nicht sein.