mthie spaces

Warum Google bei Google+ für Google Apps nachgedacht hat - und SinnerSchrader das auch tun sollte

21.11.2011 21:06

Ja, der Titel provoziert, aber jetzt habe ich eure volle Aufmerksamkeit.

Gestern erschien auf dem Blog "Fischmarkt" ein Artikel mit dem Titel "Warum wir Google+ für Google Apps wieder abschalten - und Google das auch tun sollte". Nur leider gingen deren Überlegungen völlig an dem vorbei, was sich Google dabei dachte.

Fangen wir doch erstmal an, welche User Google Apps nutzen:

  1. private User
  2. Firmen

Ich gehöre zu beiden Gruppen und fange mal mit Punkt 1 an: Meine private E-Mail läuft komplett über Google Apps. Ich hatte früher zum Spielen einen Googlemail-Account, der aber ungenutzt ist. Jetzt kam Google+ und ich musste meinen Googlemail-Account reaktivieren, den ich gar nicht nutzen will. Weil es aber nicht anders ging, war es notwendig. Jetzt ist Google+ für Google Apps da und schon sind diese Nutzer wieder glücklich und können ihren eigentlich ungenutzten Account wieder dieser Bestimmung zukommen lassen.
Für Nutzer, die noch nicht wissen, ob sie ihren Google-Apps-Account privat auch noch in den nächsten 24 Monaten nutzen wollen, ist es ratsam, noch zu warten mit dem Umzug des Google+-Accounts.

Zu Nutzergruppe 2 - die Firmen. Hier ist es eh nicht ratsam, sein privates Profil auf dem Firmenaccount anzulegen. Ich kenne inzwischen diverse Menschen, die damals meinten, sie müssten ihren XING-Account mit ihrer Firmen-E-Mail-Adresse anlegen, denn es ist ja ein Businessnetzwerk. Nach dem Wechsel in ein anderes Unternehmen und dem Vergessen des Passworts kommt man also nie wieder an seinen Account - sehr schlau. Nicht.
Bei Google+-für-Google-Apps-Benutzer im Firmenumfeld verhält es sich ähnlich. Allerdings sind diese Accounts nicht unnütze. Man nehme jetzt mal SinnerSchrader als Beispiel: Die Mitarbeiter, die sich dafür interessieren, was der Chef so mitzuteilen hat, können diesen in der Domain einkreisen, aber er muss dies nicht umgekehrt tun (könnte bei sehr laberbedürftigen Mitarbeitern auch sehr anstrengend werden). So. Jetzt will er aber den Mitarbeitern etwas mitteilen, also gibt er als Empfänger die Domain "sinnerschrader.com" an. Und schon lesen es alle, die es interessiert. *ding ding*

Weiterer Vorteil für die Firmenprofile: Man kann sein Privatleben vom Berufsleben trennen. Ja, diese Menschen gibt es heute immer noch. D.h. dass so ein Pressesprecher sich im Google+-Profil, welches er im Firmen-Account angelegt hat, sich schön in Krawatte zeigen kann, aber im privaten Account gerne auch mal Fotos mit einem Bier in der Hand an engste Freunde posten kann, ohne dass dies unbedingt mit der Firma in Bezug gebracht wird.

Dies machen wir ja schließlich alle täglich auch im Berufsleben, indem wir nicht mit unserer Privat-E-Mail-Adresse Mails an Kunden schicken - denn wir trennen Berufs- und Privatleben.

Zur Sache mit der Schizophrenie: Ja, es ist komisch, dass ich dreimal auf Google+ existiere (1x Privat-Apps-Account, 1x Firmen-Apps-Account, 1x GoogleMail-Adresse (deprecated wenn das Migrationstool kommt)). Aber erinnern wir uns zurück an die guten alten Wave-Zeiten (hach, damals!). Die Leute kamen nicht so gut damit klar, dass die Wave-Adressen wie E-Mail-Adressen aussahen, aber keine waren. Aus diesem Fehler lernte Google und macht diese Adressen jetzt nicht mehr sichtbar, sondern greift auf die guten alten UserIDs zurück und zeigt in der Suche die Klarnamen an. Ist jetzt auch wieder nicht richtig, da "man" ja nicht weiss, welcher Account jetzt der Richtige ist.

Ich bin da eher der Meinung: Wenn ich bei Google+ jemanden einkreisen möchte, dann schaue ich mir genau an, wer das ist, was für ein Zweck der Account hat (privat, geschäftlich, rumspammig, o.ä.) und denke einfach vorher etwas nach. Ich weiß, die Realität in Bezug auf denkende Benutzer sieht da anders aus, aber das ist ja nicht immer nur ein Problem der Plattform.