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Wordpress in Deutschland meist widerrechtlich installiert

02.02.2010 21:53

Nachdem mich Knut darauf hingewiesen hat, dass in den meisten AGB der Hosting-Provider vermerkt ist, dass man sich um die auf einem Hosting-Paket installierte Software selbst zu verantworten hat, was irgendwie logisch ist, hab ich mal ein paar AGB durchgeforstet und bin auf interessante Verweise gestoßen.

Zuerst wäre da Domainfactory:

7.1 Der Kunde hat sicherzustellen, dass die Internet-Präsenzen oder Daten anderer Kunden des Anbieters, die Serverstabilität, Serverperformance oder Serververfügbarkeit nicht entgegen der vertraglich vorausgesetzten Verwendung beeinträchtigt werden.

Weiter geht es mit All-Inkl:

Der Kunde testet im übrigen gründlich jedes Programm auf Mangelfreiheit und Verwendbarkeit in seiner konkreten Situation, bevor er mit der operativen Nutzung des Programmes beginnt.

Und zu guter letzt 1&1:

Absatz 10.4: Der Kunde testet im übrigen gründlich jedes Programm auf Mangelfreiheit und Verwendbarkeit in seiner konkreten Situation, bevor er mit der operativen Nutzung des Programms beginnt. Dies gilt auch für Programme, die er im Rahmen der Gewährleistung und der Pflege von 1&1 erhält. Der Kunde wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bereits geringfügige Veränderungen an der Software die Lauffähigkeit des gesamten Systems beeinflussen kann.

Andere Provider haben ähnliche Zusätze in ihren AGB.

Was also im Klartext heisst: Auch wenn wir Wordpress vorinstalliert anbieten oder ihr es selbst installiert, übernehmen wir keinerlei Haftung. Außerdem habt ihr gefälligst zu schauen, dass ihr nicht mehr als 30 Besucher habt, weil unsere Server mit dieser Software mehr nicht aushalten.

Rein theoretisch muss jeder Kunde, der ein Wordpress benutzen will, dessen Quelltext komplett durchschauen, um festzustellen, dass diese Software wirklich den Anforderungen entsprechen. Und wenn mehr Besucher kommen, müsste der Kunde entsprechend wissen, wie er den Server entsprechend schnell entlastet, da sonst eine Kündigung seitens des Hosters berechtigt ist, da der Kunde für Serverbeeinträchtigungen haftet und auch für Ausfälle von anderen Webseiten, die auf den betroffenen Systemen gehostet werden.

Diese Beschränkungen gelten natürlich nicht für Root-Server, sondern nur für Shared-Hosting-Angebote. Auch bei vHost-Angeboten gelten meist diese Regeln.

Und jetzt mal Hand auf's Herz: Wer von euch hat die AGB seines Hosters gelesen und befolgt diese zu 100%?

PS. Dieser Beitrag stellt keine rechtliche Beratung dar.

Warum dieses Blogsystem nicht mit Wordpress vergleichbar ist

23.01.2010 02:11

Angeregt durch einen Tweet von Christian Rieger möchte ich kurz mal erläutern, warum ich Aufwand betreibe, um ein Blog auf Googles AppEngine zu entwickeln.

Bei wordpress.com bekommt man ein Blogsystem, was für die meisten kleinen bis mittelgroßen Blogs wohl völlig ausreichend ist. Will man allerdings ein individuelles Design oder spezielle Plugins, weil Wordpress etwas nicht bietet, bleibt man entweder auf der Strecke oder man wird sehr arm, da Wordpress.com nur zertifizierte Entwickler an sein System lässt und diese lassen sich ihre Stellung auch gerne bezahlen.

Der Billighoster widerum skaliert nicht oder nur bedingt. Die meisten Nutzer mieten sich etwas Webspace mit einer Datenbank. Auf diesem Server ist man meist nicht alleine, sodass, wenn aus Versehen mal der Blog mit einem Link im heise-Forum (nicht mal unbedingt in einer Newsmeldung) auftaucht, der Webserver für einige Zeit außer Gefecht gesetzt wird. Damit sind das Blog und alle anderen Webseiten auf diesem Server erstmal nicht aufrufbar. Viele Provider bieten auch keinen Frontend-Cache wie "varnish" an und der WP-Supercache hilft da nur bedingt bei viel Last.

Es gibt bei einigen Providern die Möglichkeit, für ein paar Euro, für 1-2 Tage etwas mehr Power zu bekommen, aber das ist jedes Mal mit viel Aufwand verbunden und auch die Provider skalieren da nur bedingt und auch nur vertikal (sie stellen eine größere Maschine hin).

Beim Root-Server widerum kommt man an seine persönlichen Skalierungsgrenzen. OK, man ist alleine auf dem Rechner, man hat Vollzugriff und kann mit einem Frontend-Cache und vielen anderen Hilfsmitteln ganz viel Leistung rausholen. Möchte man hier aber nur kurz (1-2 Tage) noch mehr Power haben, müsste man sich einen weiteren Server bestellen. Der hat meist lange Mindestlaufzeiten und lange Beschaffungszeiten und diese Option fällt somit weg.

Was kann man also tun?

Man kann sich EC2-Images bei Amazon anlegen. Das heisst so viel wie: Ich halte immer mein komplettes Blog irgendwie bei Amazon vor, sodass ich schnell mal ein paar Maschinen hochfahren kann. Da wird es dann irgendwann wieder schwierig mit der Datenbank.

Man könnte aber auch sein Blog bei vps.net hosten. Die können der Maschine mal eben kurz ein paar mehr Ressourcen geben. Leider brauchen sie ein Weilchen, bis die Plattenimage-Größen angepasst und die Ressourcen angepasst sind. Bis dahin ist das Blog down.

Oder man legt, wie ich es jetzt getan habe, sein Blog einfach mal in die Google AppEngine. Es gibt nur wenige Firmen auf der Welt, deren Infrastruktur mit Skalierung so gut umgehen kann, wie Google.

Ich habe kostenlos die Möglichkeit, meinen Grundbetrieb aufrecht zu erhalten und ziemlich viele Besucher pro Tag zu bedienen und wenn ich mehr Besucher erwarte, habe ich die Möglichkeit, für z.B. $1 am Tag die zur Verfügung stehenden Quotas auf fast das Doppelte zu erhöhen.

Natürlich gibt es bei skalierbaren Systemen immer Einschränkungen. Z.B. kann man keine Dateien direkt auf die Festplatte speichern. Der Grund ist einfach, dass beim Deployment der Anwendung die Daten direkt verteilt werden und dies im Live-Betrieb doch deutlich komplexer wäre. Diese Einschränkung ist auch der Grund, warum die Konvertierung von Wordpress in Richtung Java keine Option ist, da den Leuten dann die Plugins und Templates fehlen würden, die sie sonst auf dem Live-Server installieren könnten. Das geht hier einfach nicht.

Zum Thema "Plugins": Plugins sind ja eigentlich nur Zusatz-Features, die in einem System fehlen. D.h. soviel wie: Würden die Plugin-Entwickler die Features direkt in Wordpress implementieren, bräuchte es keine Plugins.

Dieses Ziel verfolge ich mit meinem Blogsystem: Ich baue die Features einfach an- und abschaltbar in das System ein.

Wieso reden immer alle über Skalierung. Das braucht doch niemand.

Falsch! Diese Sichtweise gibt es sehr oft in Deutschland. Nur weil hier die Blogger-Szene klein und die Blogs nahezu ungelesen bleiben, heißt es nicht, dass es in anderen Ländern auch so ist. Es gibt Blogs, die haben durchaus mit Schwierigkeiten zu kämpfen und das sogar unter performanteren Systemen als Wordpress. Für genau diese Fälle entwickel ich das System. Das kleine Blog von nebenan mit vielen tollen bunten Smileys wird selten in den Bedarf kommen, dieses System zu brauchen und kann deswegen auch gerne so bleiben wie es ist.

Aber es gibt noch eine andere Welt da draußen!

Wie mein Blog den Weg in die Cloud fand

28.10.2009 20:04
Es war ein Tweet von Frank Helmschrott, der mich darauf aufmerksam machte, dass sein Blog jetzt per Cloudcomputing läuft. Natürlich war ich neugierig, was er gemacht hatte, da mir bisher ein Hosting auf Amazons EC2s ein bisschen teuer vorkam.

Seine Lösung: vps.net. Dort kann man sich sogenannte "VPSs" anlegen, sozusagen virtuelle Maschinen, denen man Nodes zuweisen kann. Jeder Node hat eine Leistung von 400 MhZ und 256 MB RAM. Außerdem 10 GB Storage und 250 GB Traffic. Leider wird zur Zuweisung der Resourcen die laufende Instanz kurz heruntergefahren und kurz danach wieder hochgefahren. Zur Not muss man sich also kurz eine Ersatzinstanz hochfahren, um Ausfälle zu vermeiden (obwohl die sich wohl in Grenzen halten dürften).

Eine solche Node kostet 20 US$ im Monat, wird aber günstiger, je mehr Nodes man nimmt. Da man häufig (aber natürlich nicht immer) weiß, dass man Traffic bekommt, z.B. nachdem man den Beitrag twittert oder Werbung dafür macht, kann man "Scheduled Upgrades" einstellen. Man kann dann entweder temporär (z.B. für einen Tag) oder permanent Nodes hinzubuchen und zu bestimmten Zeiten aktivieren bzw. deaktivieren. Je Node wird 1 US$ pro Tag berechnet.

Man kann beim Erstellen einer VPS zwischen diversen Betriebssystemvorlagen wählen, z.B. schon vorgefertigte Debian mit Lighttpd und Wordpress-Installation. Leider will ich mehrere Wordpress-Instanzen auf der VPS hosten, sodass ich auf ein altbewährtes LAMP-System gesetzt habe. Ich hätte es auch mit lighttpd hinbekommen, aber das mach ich dann später mal.

Leider kann man Amazons EC2-Ansatz nicht wirklich gut mit VPS' vergleichen, sodass ich das hier auch gar nicht versuchen will. Ich empfehle, es einfach mal auszuprobieren.