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Twitter - wie man ein Social-Media-Badge nicht macht

12.08.2010 22:26

Ich hab ihn probiert, den neuen Tweetbutton. Er kommt von Twitter direkt und man bräuchte angeblich keinen anderen Dienst wie topsy oder tweetmeme. Schön wär's!

Möchte man nur einen "Tweet!" Button haben, ohne Anzeige wie oft über diese URL schon getwittert wurde, mag dieser Button völlig ausreichend funktionieren. Möchte man diese Anzeige aber doch haben, muss die URL genauso getwittert worden sein, wie man sie im Badge hinterlegt. Lege ich also nur eine URL wie http://www.mthie.com/mein-blog-beitrag.html in das Badge, sucht Twitter über die eigene Suche genau diese URL. Dienste wie Tweetmeme und Topsy greifen den gesamten Stream auf Twitter ab und machen auf jede URL einen HEAD-Request, um den Redirect rauszubekommen. So schauen sie eben auch bit.ly-Links durch, ob das auf die Blog-URL zeigt. Dies tut Twitter natürlich nicht und damit ist dieser Button eine weitere Fehlentwicklung vom Twitter-Team, welches um Beachtung buhlt. Oder habt ihr die Twitter-Widgets in letzter Zeit irgendwo weit verbreitet im Umlauf gesehen?

Update: Einige Dienste werden anscheinend doch unterstützt, wie z.B. bit.ly. Aber mein eigener, auf Google Short Links basierender URL-Shortener wird nicht gefunden. Danke @talinee für den Hinweis.

Twitter - die Scheinheiligkeit des Internets

25.07.2010 09:56

Es ist Samstag Abend, kurz nachdem in Duisburg mehrere Menschen gestorben (derzeitiger Stand: 19) und Hunderte verletzt wurden. Ja, es ist scheiße, was da passiert ist. Mir tut es Leid um die Menschen und die Angehörigen der Verstorbenen. Es wurden Fehler gemacht seitens der Veranstalter, aber auch der Menschen selbst. Soweit dazu mein Standpunkt.

Was aber auf Twitter abging spottet jeder Beschreibung. Sofort wurden diverse Hetzjagden ausgelöst, als ginge es um das Ende der Welt. Auf einmal tun wieder alle so, als wären sie persönlich dafür verantwortlich, dass es den Verantwortlichen an den Kragen geht. Gemischt wurde dies mit Twitterern die auch noch 2 Stunden später meinten, dass die Welt ausschließlich auf ihre News warten und mussten dringend berichten, dass in Duisburg was passiert sei. Im Internet sind 2 Stunden eine lange Zeit. Das wäre, als würde die Zeitung von nebenan heute berichten, dass die USA in Afghanistan einmarschiert wäre.

Am Schlimmsten wurde es, als die Bild.de-Hetzkampagne los getreten wurde. Dort wurden auf einigen Bildern größtenteils abgedeckte tote Menschen gezeigt. Es wurden direkt ein paar Beschwerden beim Presserat mit Hinweis auf den Pressekodex eingereicht. Fazit: Scheinheiligkeit in Perfektion. Die (deutschen) Twitterer sind doch sensationsgeil wie niemand aus anderen Medien. Wenn aber ein Medium mal die ganze Wahrheit zeigt (und ja, dazu gehören auch tote Menschen), dann wird rumgeschrien. Mal abgesehen davon, dass der Pressekodex zu einer Zeit (die 70er) entstand, als den Deutschen die heile Welt vorgegaukelt wurde, sind es doch keine Gesetze, sondern freiwillige Regeln. Und wenn die Bild.de-Redaktion, über die man sowieso immer streiten kann, diese Regeln nicht beachten will, dann ist das eben so. Es zwingt euch niemand, diese Webseite aufzurufen. Genauso wie bei rotten dot com. Am Ende hatte bild.de durch diese Meldung noch mehr Besucher und das ist dann eher der oft verhasste Katastrophentourismus. Aber eben im Web.

Wenn wir mal an Zeiten zurückdenken, als die Menschen noch überwiegend mit Kutschen gefahren sind (vor 1900): Da standen Kinder noch daneben, wenn die Großeltern im Heimathaus starben. Da waren die Deutschen noch nicht so weichgespült wie heute, wo jeder Tote gleich Schrecken auslöst. Und nochmal: jeder Tote ist erstmal tragisch für die Angehörigen. Aber das Leben geht weiter, Leute. Menschen können mit so etwas umgehen! Die Bauern haben früher keine Trauerwochen eingelegt, wie heute. Das Feld und Vieh musste trotzdem weiterhin bewirtschaftet werden. Das wird auch heute noch so in großen Teilen Afrikas, Asiens und Südamerikas so gehandhabt.

Warum das alles scheinheilig ist? Der Twitterer @maennig hat es auf den Punkt gebracht: "Liebe Betroffenheitsspezialisten, wir haben täglich 11 Tote durch Verkehrsunfälle, 26 durch Suizid, 191 durch Alkohol und 329 durch Rauchen." Ich ergänze noch: "Es sterben täglich ca. 400 Kinder weltweit an Masern."
Wisst ihr: Es gibt einfach viel wichtigere Probleme auf der Welt die täglich diskutiert und u.U. gelöst werden könnten. Aber die Sensationsgeilheit benebelt die Sicht der Dinge so sehr, dass man wieder ein riesiges Drama draus macht.

Ach ja und dann kommt da noch der Kindergarten hinzu: "Mimimimimi, der hat gesagt, dass ich hier nur rumjammer. Bitte entfolgt ihn alle. Der hat mir mein Spielzeug geklaut!" (Anmerkung: Überzogen, aber der Tenor). Merkt endlich: man folgt jemandem auf Twitter wegen der Kommunikation und weil einen interessiert, was derjenige schreibt. Nicht, weil die Meinungen grundsätzlich übereinstimmen müssen (womit wir wieder bei den Weichspülern wären).

PS. Ich habe die Kommentare in diesem Beitrag deaktiviert, weil ich erstens die lauthals schreienden Bashing-Kommentare vermeiden will und zweitens sollten die Leser lieber ihre eigenen Gedanken dazu bloggen, wenn es denn nötig ist. Bashing-Kommentare auf Twitter werde ich im Übrigen ignorieren.

Nachtrag: Die @talinee hat auch mal was dazu geschrieben: Manche Trägodien bringen Helden hervor, andere dagegen Monster

Buzz ist besser als der erste Eindruck

10.02.2010 23:21

Meine Twitter-Follower werden es mitbekommen haben, aber ich meine Tweetdichte war doch heute nicht so hoch, weil ich natürlich direkt Buzz näher ausprobieren musste.

Mobile: Es begann mit Google Maps für mein Nokia E71 (Symbian S60). Schnell die neue Version 4.0 installiert und schon war die Karte um mich herum voll mit Sprechblasen, an dessen Punkte schon Leute ihre Buzzes abgelegt haben. Nicht nur, dass man mit Hilfe von Latitude sieht, wo seine Freunde grad sind, sieht man auch, welcher Buzzer (Benutzer von Buzz) grad in der Nähe ist. Da ergeben sich gleich neue Bekanntschaften und man hat sowas wie einen Check-In auf Foursquare, nur ohne den Game-Faktor. Gleichzeitig kann man seinem Buzz auch noch ein Photo mitgeben, um dem Ganzen noch ein I-Tüpfelchen aufzusetzen.

Der Alltagstest: Hier wird's schwieriger und ich muss etwas ausholen. Ich bin jetzt seit ca. 1 Jahr dabei, meine täglich genutzten Tools und Programme ins Web zu verlagern, um bei Einzug eines Web-OS wie ChromeOS nichts zu vermissen. Dieser Plan ging bisher nicht so gut auf, weil die Twitter-Website eine kleine Katastrophe ist und sich nicht automatisch aktualisiert und ich dafür einen guten Client brauchte. Hootsuite und Seesmic find ich absolut unbenutzbar und somit blieb mir bisher Tweetdeck. Jetzt kommt Buzz ins Spiel, welches dieses Spiel mitspielt. Die Buzzes fließen alleine rein und auch die Kommentare erscheinen von alleine. Außerdem kommt ein weiteres Feature direkt dazu: Ich hab die Mailoberfläche zusammen mit dem Microblogging-Dienst und ich spare mir dadurch ein Browsertab/-fenster.

Wie viele andere Leute heute noch, habe auch ich früher meine E-Mails mit einem Mailclient wie Thunderbird abgeholt. Diese Zeiten sind bei mir inzwischen vorbei und ich hoffe, dass sich dieser Trend mit den Web-basierten Betriebssystemen durchsetzt. Aber derzeit braucht es hier noch einen Workaround bzw. extra Client für die Nutzer, damit Buzz beliebter wird.

Dann sind da noch die Kommentare. Beim Markus Angermeier ging in einem Buzz vorhin doch eine krasse Party ab, mit vielen Kommentaren. Da kann (oder muss) man dann einfach auf "Mute" drücken, damit sich der Information-Overflow in Grenzen hält. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, aber hier kommen wir zum nächsten Punkt: Buzz ist nicht Twitter. Man kann nicht wie auf Twitter einfach erstmal jedem folgen und hoffen, dass diejenigen nichts schreiben. Wenn jemand zu viel "Mist" buzzt, wird er halt entfolgt oder alle Buzzes nach dem Posten direkt ge-mute-d. Aber hier werden sich die User schon einen Workflow überlegen.

Was nur gar nicht funktioniert: Buzz direkt nach dem ersten Login verfluchen ist wie einen Menschen im Vorbeigehen komplett beurteilen zu wollen. In ein Auto kann man auch beim ersten Mal nicht einsteigen und direkt damit fahren. Man muss sich erstmal damit beschäftigen und, leider kommt der Mensch hier nicht drumherum, vergleichen ist auch eine schlechte Idee. Ich habe heute schon zu oft Dinge lesen müssen, dass Leute meinte, dass es kein Twitter oder kein Facebook sei, oder ZU Facebook sei. Aber wie auch bei anderen Diensten gilt: Es gibt immer einen Anwendungsfall. Wenn Ihr nicht dieser Fall seid, lasst es sein.

Was ihr aber nicht tun solltet: Einloggen - Rummeckern - Ausloggen - Losbashen
Besser: Einen halben Tag damit beschäftigen. Wenn es euch immer noch nicht gefällt, könnt ihr gerne meckern oder die Kritik direkt an Google leiten, denn ihr werdet nicht gehört, wenn ihr in die Menge brüllt, sondern nur, wenn ihr in den Dialog tretet.

Wenn dieser Beitrag etwas wirr aussieht: Hach ja, mein Kopf ist halt nicht immer komplett aufgeräumt. ;-)

Google Buzz - der erste Eindruck

09.02.2010 23:02

Heute wurde es vorgestellt: Google Buzz. Leider weiss ich noch nicht so recht, was ich davon halten soll. Ich schreib jetzt nicht, wozu es gut sein soll, denn das beschreibt die Buzz-Seite selbst gut genug. Bei kurzen Tests kamen die Nachrichten nahezu in Echtzeit im Google Mail reingetropft und es hat schon etwas von einem guten Twitter-Client mit mehr als 140 Zeichen. Auch die Tweets der Verfolgten, die ihren Twitter-Account mit ihrem Buzz-Account verbunden haben, kamen ziemlich prompt rein und man könnte meinen, dass es keinen Twitter-Client mehr braucht.

Leider verliert man schnell die Übersicht und da versuche ich mir noch einzureden, dass bald ein großes Umdenken in Bezug auf Followings stattfinden wird. Vielleicht hört der Schwanzlängenvergleich dann endlich auf und man folgt nur noch seinen "Freunden" und nicht jedem, dem man virtuell schon mal begegnet ist. Entweder das, oder Google Buzz ist zum Scheitern verurteilt.

Im Netz kam auch der Vergleich zu Friendfeed auf. Natürlich könnte man das so denken, nur wo ich den Vorteil von Buzz im Gegensatz zu FriendFeed sehe ist, dass ich auf meinem zweiten Monitor jetzt mein E-Mail-Postfach durchlaufen lassen kann und gleichzeitig die Buzzes sehen kann. Derzeit liegt auf meinem Sekundärmonitor ein Twitter-Client, den ich dann loswerden kann und das war für mich immer ein K.O.-Kriterium für FriendFeed (keine guten Clients, nirgends integriert). Somit wird die Mailoberfläche zur zentralen Kommunikationsplattform.

Auch die Konkurrenz zu Foursquare find ich super. Natürlich kann man das mit Latitude schon länger, aber dass man jetzt auf der Map sieht, wo man sich virtuell unterhält, find ich ein spannendes Konzept und ich warte darauf, dass der neue Google-Maps-Symbian-Client endlich erscheint. Ich überlege, ob man diese Funktion nicht als Mischung aus Qype und Foursquare betrachten kann?!

Die Aufhebung der 140-Zeichen-Sperre für Statusmeldungen könnte noch genügend Stoff für Diskussionen ob Sinn oder Unsinn von Buzz auslösen und eigentlich kann man nur gespannt sein, was jetzt passiert.

Wie sind eure Erfahrungen so?