mthie spaces

Wird Googles Speed Rank die Blogs verändern?

18.04.2010 20:07

Ich schätze: Ein bisschen.

Google hat angekündigt, in Zukunft in das Ranking einer Seite auch die Ladezeit der Webseite mit aufzunehmen. Es gab auch schon Messungen diesbezüglich, finde aber die URLs nicht wieder, also falls jemand was hat, bitte in den Kommentaren posten. Aber wie wird sich die Bloglandschaft verändern?

Es ist so, dass in den letzten Tagen ein wenig die Augen offen gehalten habe und dass die meisten Blogs, die ich so lese und besuche, meist eine Ladezeit von knapp 4 Sekunden und mehr inklusive aller Elemente aufweisen. Wie Google mir bereits mitteilte, war meine Seite bis vor Kurzem mit einer Durschnittsladezeit von 4,5 Sekunden je Seite (Stand Mitte März) langsamer als 65% der anderen Webseiten auf dieser Welt. Dementsprechend kann man sich vorstellen, was das für Auswirkungen auf die Suchergebnisse haben wird, wenn dies wirklich in den Pagerank einfließt.

Als schnell werden Seiten eingestuft, die innerhalb von 1,5 Sekunden laden und jetzt könnte man sich fragen: Ist das das Aus für Social-Media-Widgets auf Blogs? Ich schätze: Nicht ganz. Es werden sich nur Widgets durchsetzen, die performant geladen werden können. Leider haben recht häufig auch die großen Widget-Anbieter Probleme mit der Ladezeit. Dazu gehören u.a. Tweetmeme, Google Buzz, Facebook (egal welches Widget) usw. Schade, dass es die meisten Dienste nicht als Blog-Software-Plugins gibt, die ihre Daten selbst aggregieren, sodass man diese lokal cachen könnte und so werden bekannte Webseiten wie mashable ein Problem bekommen, die erst nach ca. 10-12 Sekunden geladen sind.

Meine Messungen erfolgten übrigens durch den manuellen Besuch des Blogs und dem Resource Tracker, der im Google Chrome verfügbar ist. Als recht schlimm empfand ich, dass manche Blogs sogar 10 Sekunden und mehr brauchten, obwohl die Bilder und Elemente aus dem Browser-Cache kamen.

Update: Ich hab den Link doch wieder gefunden.

Wordpress in Deutschland meist widerrechtlich installiert

02.02.2010 21:53

Nachdem mich Knut darauf hingewiesen hat, dass in den meisten AGB der Hosting-Provider vermerkt ist, dass man sich um die auf einem Hosting-Paket installierte Software selbst zu verantworten hat, was irgendwie logisch ist, hab ich mal ein paar AGB durchgeforstet und bin auf interessante Verweise gestoßen.

Zuerst wäre da Domainfactory:

7.1 Der Kunde hat sicherzustellen, dass die Internet-Präsenzen oder Daten anderer Kunden des Anbieters, die Serverstabilität, Serverperformance oder Serververfügbarkeit nicht entgegen der vertraglich vorausgesetzten Verwendung beeinträchtigt werden.

Weiter geht es mit All-Inkl:

Der Kunde testet im übrigen gründlich jedes Programm auf Mangelfreiheit und Verwendbarkeit in seiner konkreten Situation, bevor er mit der operativen Nutzung des Programmes beginnt.

Und zu guter letzt 1&1:

Absatz 10.4: Der Kunde testet im übrigen gründlich jedes Programm auf Mangelfreiheit und Verwendbarkeit in seiner konkreten Situation, bevor er mit der operativen Nutzung des Programms beginnt. Dies gilt auch für Programme, die er im Rahmen der Gewährleistung und der Pflege von 1&1 erhält. Der Kunde wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass bereits geringfügige Veränderungen an der Software die Lauffähigkeit des gesamten Systems beeinflussen kann.

Andere Provider haben ähnliche Zusätze in ihren AGB.

Was also im Klartext heisst: Auch wenn wir Wordpress vorinstalliert anbieten oder ihr es selbst installiert, übernehmen wir keinerlei Haftung. Außerdem habt ihr gefälligst zu schauen, dass ihr nicht mehr als 30 Besucher habt, weil unsere Server mit dieser Software mehr nicht aushalten.

Rein theoretisch muss jeder Kunde, der ein Wordpress benutzen will, dessen Quelltext komplett durchschauen, um festzustellen, dass diese Software wirklich den Anforderungen entsprechen. Und wenn mehr Besucher kommen, müsste der Kunde entsprechend wissen, wie er den Server entsprechend schnell entlastet, da sonst eine Kündigung seitens des Hosters berechtigt ist, da der Kunde für Serverbeeinträchtigungen haftet und auch für Ausfälle von anderen Webseiten, die auf den betroffenen Systemen gehostet werden.

Diese Beschränkungen gelten natürlich nicht für Root-Server, sondern nur für Shared-Hosting-Angebote. Auch bei vHost-Angeboten gelten meist diese Regeln.

Und jetzt mal Hand auf's Herz: Wer von euch hat die AGB seines Hosters gelesen und befolgt diese zu 100%?

PS. Dieser Beitrag stellt keine rechtliche Beratung dar.

Deutsche Blogs nicht bereit für den großen Ansturm

25.01.2010 02:48

Also zuerst einmal ein großes "SORRY" an alle Admins, die letzte Nacht einen Server-Alert bekommen haben. Ich habe mir letzte Nacht mal erlaubt, ein paar mehr "Besucher" (Benchmark von mehreren Servern aus) auf die deutsche Blogszene loszulassen und ich bin über die Testergebnisse zutiefst erschüttert.

Nachdem Sascha Lobo gerne mal bei Links zu Blogs in Tweets dazuschreibt, dass die Leute nicht gleichzeitig auf den Link klicken sollen, hat Apache Benchmark (ab) je Server knapp 500 Request gemacht, wovon immer 100 Stück gleichzeitig (concurrent) ausgeführt wurden. Dabei wurde mir klar: Da sind Laien am Werk. Anders kann man es nicht nennen.

Die häufigste Meldung von Wordpress-Blogs war: Error establishing a database connection. Diese Fehlermeldung durfte der Benchmark durchschnittlich in 430 von 500 Fällen sehen und sie ist ein Indiz dafür, dass der Datenbankserver zu überlastet ist oder zu wenige Verbindungen zulässt, wobei ich eher auf die letztere Variante tippe. Bei manchen Blogs fühlte ich mich danach direkt ein bisschen schlecht, weil dort anscheinend persistente Verbindungen die Blogs gleich mal für bis zu 30 Minuten lahmgelegt hatten.

Jetzt zum eigentlichen Thema: Sollte die Social-Media-Welt in Deutschland weiter so wachsen, kommt die deutsche Blogszene in die Bredouille. Wenn ein besonders guter Link überall gepostet, kann man die Webseite direkt abschreiben. Ich hatte ja vor einigen Monaten den Fehler gemacht und einen Link zu einem Blogbeitrag von mir im heise-Forum gepostet (dort erscheint kein Link, sondern die Leute müssen via Copy&Paste die URL aufrufen) und mein Blog war ca. 1 Stunde nicht mehr erreichbar. Dies ist jetzt nur ein Mini-Beispiel, aber einem "slashdotting" oder "heiseing" halten in Deutschland nur wenige Wordpress-Installationen stand. Gute Beispiele sind da netzpolitik und lawblog. Diese beiden benutzen varnish als Frontend-Cache. Der Vorteil: Der Besucher kommt gar nicht bis zum Wordpress-Code, sondern der Cache liefert die Seiten einfach wie statische Seiten aus. Und das auch noch richtig performant. Dieser Cache wird vor den eigentlichen Webserver geschaltet und entscheidet, was passieren soll.

Leider ist nur nicht jeder in der Lage, so ein Setup aufzusetzen und da steckt derzeit das große Problem. Es ist einfach, sich Webspace zu mieten. Es ist einfach, ein Wordpress dort hochzuladen. Es ist einfach, Plugins und Templates in das Wordpress zu laden. Manchen Menschen fällt es einfach, Texte da hinein zu schreiben. Nur ist es nicht einfach, wenn diese Texte auf einmal beliebt werden.

Jetzt kann man abwägen: Entweder man entscheidet sich dafür schlechter zu schreiben und zu hoffen, dass in Zukunft keine Besucher kommen oder man denkt mal drüber nach, jemanden zu fragen, der sich mit solchen Problematiken auskennt (wie es einige Blogs, siehe oben, auch getan haben).

Kritisch waren bei meinem Test übrigens ausschließlich Wordpress-Blogs. Selbst programmierte Blogs oder andere Blogsysteme waren deutlich robuster.

Was mir außerdem aufgefallen ist: Viele Blogger sind Update-Faul. Da findet man dann auch mal Wordpress-Versionen, die ein halbes Jahr alt sind und vor Sicherheitslücken nur so strotzen. Schade auch, dass ein sehr bekanntes Blog, welches inzwischen von einem Hosting-Unternehmen geführt wird, eines der schlechtesten Mess-Ergebnisse hatte.