Apple-Ortung: Willkommen in der Realität
20.07.2010 19:24
Da hamwer den Salat: Auch Apple hat WLANs kartographiert. Allerdings haben sie dafür die Benutzerendgeräte (iPhone, Macbook) missbraucht, indem sie seit 2 Jahren einfach heimlich die GPS-Position und WLAN-Feldstärken gemessen und verschickt haben. Diese Daten wurden dann anonymisiert gespeichert und ausgewertet. Technisch gesehen, ein gutes Konzept. Man braucht keine Autos, die rumfahren und messen und man kann auch in Fußgängerzonen aufzeichnen.
Dumm nur: In der Medienbranche werden Apple-Produkte sehr häufig eingesetzt. Als Google diese Daten aufgezeichnet hat, gab es ganze Titelblätter zu diesem Thema. Jetzt aber wird die eigene heile Welt angegriffen und da man drüber berichten muss, wird es jetzt eben weiter unten positioniert. Die typische "Ist halt passiert" Haltung. Und dieses Verhalten kotzt mich an.
Auf Twitter wird halt ab und zu mal ein Link dazu gepostet, aber keine Diskussion geführt. Auf "Spiegel Online" muss man 1-2 Bildschirmseiten runterscrollen. Dieses Weggucken nervt mich sehr an. Wurde bei Google groß diskutiert, weil sie Daten mehr oder weniger aus Versehen aufgezeichnet haben, die sie nicht brauchten, wurde dies bei Apple mit voller Absicht getan und der User dafür missbraucht, ohne dass der davon wusste.
Schlimm ist ja schon, dass dies mit Mobilfunkgeräten getan wurde, ist dies auch bei Macbooks gemacht worden, die die Ortserkennung eingeschaltet haben (ist das eigentlich default?). Wenn wir dies mal weiterspinnen: Wenn schon solche Daten mal eben kurz zu Apple geschickt werden (dank Closed-Source-Software), was wird dann noch mal nebenbei geschickt? Die zuletzt bearbeiteten Geschäftsdokumente, die klein genug sind, als dass sie im Sekundenbereich verschickt sind und zwischen den anderen Daten nicht auffallen? Mir scheint ja, dass es unter Mac-Usern einfach nicht genügend Leute gibt, die den Datenverkehr aufzeichnen, sonst wären selbst die Standort-Datenübermittlungen aufgefallen. Also warum nicht dieses Horrorszenario?
Wollen Mac-User (nehme da Windows-User nicht aus) lieber die Augen verschließen, weil man das bisher auch getan hat? Oder wollt ihr lieber, dass Pullover-in-Hose-Steve dann doch mal lückenlos aufdeckt, welche Daten so an Apple geschickt wurden? Denn das ist, wie man sieht, nicht immer in den Nutzungsbedingungen erwähnt. Ich würde mir für euch wünschen, dass ich mit meinen Vermutungen unrecht habe, aber ich könnt das Gegenteil glücklicherweise noch nicht beweisen ;-)
Was mich aber am Meisten freut: Endlich merken Apple-User, dass Google nicht die Datenkrake ist, sondern dass alle Firmen, die ihren Usern personalisierte Dinge jeglicher Art anbieten wollen, Daten sammeln müssen. Denn User in Deutschland wollen keine Werbung für rumänische Waschmittel sehen, sondern auf ihre Region und Wünsche angepasste Werbung (angeblich einer der Gründe für die Sammelwut von Apple und Google), wenn Software schon werbefinanziert sein muss. Solche Daten brauchen alle Firmen und das wird in den nächsten Jahren immer krasser werden. Da können Datenschutzbestimmungen noch so kleinlich definiert sein. Ich schätze, diese werden aufgeweicht werden müssen, wenn die Lobbyisten ihre Arbeit gut machen. Die deutschen Datenschutzgesetze sind nämlich in meinen Augen nicht auf das Internet anwendbar und bedürfen endlich einer realitätsnahen Reform.
Aber ach!
Kommentare:
am 20.07.2010 um 19:33 Uhr
Also da bin ich ja froh das ich, erstens Apple noch nie leiden konnte und zweitens,endlich den Absprung von Windows geschafft habe...
MFg ICke
am 20.07.2010 um 19:35 Uhr
Sorry, aber ich bin seit über 2 Jahren iPhone User und seit 1,5 Jahren Mac-User im Allgemeinen, und ich wusste bereits nach knapp 1 Monat meines iPhone-Besitzes schon, dass das iPhone (damals 2G) die WLAN-Daten für Dienste wie SkyHook sammelt, um eine bessere Ortung für WLAN-Devices machen zu können.
Was deinen Punkt zur "kleingehaltenen" Diskussion bei Apple im Gegensatz zu Google angeht, so sehe ich den "Wert" dieser Diskussion gleich groß. Nur wurde es halt bei Google mehr aufgebauscht im Gegensatz zum "Delikt" von Apple. Beide verdienen mMn nur eine Erwähnung auf der 2. Seite.
Aber mir schreit man eh "FANBOI!!!1!" hinterher, also gebt keinen Wert auf meinen Kommentar ;)
Gruß, Jan
am 20.07.2010 um 20:55 Uhr
Bei Apple-Usern macht sich in der Regel das Stockholm-Syndrom bemerkbar. Insofern kann es dort gar dicker kommen, es wird schlichtweg keinen interessieren. Allenfalls wird man für Master Jobs und Apple eine Verteidigungslinie aus Freiwilligen aufbauen.
http://arstechnica.com/apple/news/2010/07/apple-responds-to-congress-swears-location-data-is-private.ars?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=rss
Apple schwört, daß diese Daten geheim bleiben. Nun Apple selbst verwertet sie schon, insofern ist es nur ein PR-Stunt.
am 21.07.2010 um 12:03 Uhr
Ich mag Apple-Produkte nicht. Nicht, weil sie nicht funktional, nützlich oder wertig sind. Auch den Closed-Source-Gedanken könnte ich ignorieren.
Mich nervt z.B. die einseitige Berichterstattung über Apple-Produkte. Es wird erstmal alles hochgejazzt, was Steve auf einer seiner religiösen Veranstaltungen präsentiert. Der kann ja mittlerweile alles verkaufen. Und das über eine Million mal in den ersten Tagen...
Kritik? Ach was! "gugg mal wie das durchs Menu gleitet..höhöhö..." Antennagate? "Quark, die ANDEREN haben das Problem auch!!11einself"
Ich weiß auch nicht. Dieses vorbehaltlose Hinnehmen, so kommt es mir zumindest vor, stört mich glaub ich am Meisten. So, wie Jünger ihren Sektenführer beschützen und keine Kritik an ihn ranlassen.
Vielleicht ist das auch die falsche Einstellung, Apple Produkte scheiße zu finden, ohne die meisten ausprobiert zu haben... Ich kann irgendwie nicht anders. :)